Also lieber sein Wissen für sich behalten?

Bewerbung auf Englisch -falsche Freunde, Tipps & Tricks

Bewerbung auf Englisch

-falsche Freunde, Tipps & Tricks

Ein falscher Freund im Vorstellungsgespräch ist einer zu viel.

Gastbeitrag von Harald Schneider https://www.xing.com/profile/Harald_Schneider

 Einige „false friends“ (falsche Freunde) kennt jeder. Verlockend, naheliegende englische Wörter und Ausdrücke zu nutzen, die deutschen Wörtern sehr ähneln. Wörter, die aber leider etwas völlig anderes bedeuten.

Bewerber/innen haben in einem Vorstellungsgespräch wenig Zeit, sich als die oder der geeignete neue Mitarbeiter/in zu präsentieren. Dort, im englischsprachigen Teil, ist es daher nachvollziehbar wenig zielführend aus dem Füllhorn möglicher false friends die eine oder andere Variante spontan aus dem Hut zu zaubern. Ergebnis: Punktabzug bis hin zum Status „ungeeignet“. Trotz Qualifikation.

Please sign on the backside

Die Aussage: „Bitte unterschreiben Sie auf der Rückseite“ wird von vielen Mitarbeitern – auch 2016 -gerne mit  „Please sign on the backside“ übersetzt. Selbst wenn Mitarbeiter wissen, dass dies „Bitte unterschreiben Sie auf dem Po“ heißt, rutscht es den Untrainierten intuitiv heraus. Verlockend, hinterhältig, nicht rückholbar.

Zu spät, selbst wenn sich der Verstand einige Sekundenbruchteile danach günstigstenfalls daran erinnert. Mitarbeiter/innen, die kein Bewusstsein dafür haben, arbeiten als Unternehmens-Repräsentanten auf sprachlicher Ebene Image-Kampagnen des Arbeitgebers unbewusst aber erfolgreich entgegen.

Wie soll es einem Personalleiter gelingen, sich den Bewerber positiv in einem auf Englisch geführten Meeting, einer Telefon- oder Videokonferenz sowie im persönlichen Gespräch mit Partnern, Kunden oder der Geschäftsleitung vorzustellen, wenn dieser zwischendurch false friends einstreut?

Qualifizierung, Stärken und Erfahrung verpuffen, wenn sprachliche Missgeschicke das sonst so souveräne Auftreten überdecken. Möchten sich Personal- und Abteilungsleiter oder das Management später peinliche Situationen ersparen, wählen sie lieber den englischsprachlich gewandteren Bewerber. Dieser ist so trainiert, dass false friends bei ihm keine Chance haben.

Bewerber, die einmal die Perspektive wechseln, die sich in einen Personalverantwortlichen hineinversetzen, erkennen schnell die Bedeutung und den Handlungsbedarf bei sich selbst.

Falsche Freunde und die Folgen

Bedeutender als die durch false friends entstehenden Missverständnisse sind die Folgen, die aus diesen sprachlichen Unachtsamkeiten und aus Unwissenheit entstehen.

Sollen Berufstätige sprachliche Fehler dieser Art noch als lustiges Versehen einstufen? False friends zu kennen, ist zu wenig. Wenn das Training fehlt, welches theoretisches Wissen erst in vorzeigbares, intuitives Sprechen verwandelt. Mitarbeiter/innen wissen heute sehr viel. Aber können sie das was sie wissen?

Anspruchsvolle Gesprächsthemen wie in einem Vorstellungsgespräch, belasten bis überlasten das Gehirn des Bewerbers. Er konzentriert sich in Stresssituationen in denen sein Gehirn, je nach Konstitution, eine Art Notprogramm fährt, physiologisch eher auf den Inhalt als auf sprachliche Details. Bekanntermaßen ist das Gehirn nicht wirklich multitaskingfähig.

Beim Geschäftsessen wird aus dem „bloody steak“ dann schnell ein „verdammtes Steak“. Fatal sind gerade bei neuen Geschäftspartnern alle false friends, die unbeabsichtigt in sexuelle, politische oder religiöse Bereiche abdriften.

Zusätzliche Probleme ergeben sich, wenn Mitarbeitern die jeweiligen Unterschiede zwischen British- und American English nicht geläufig sind. So bedeutet das Wort „Gummi“ auf British-Englisch „rubber“, auf US-English ist „rubber“ dagegen ein Kondom. Im Büro wird dann schnell aus „Bitte gib´ mir den Gummi“ versehentlich „Bitte gib´ mir das Kondom“. Gerade US-Amerikaner mögen dies aufgrund ihrer niedrigen „Prüdheits-Tolerenzgrenze“ nicht so sehr. In der Kollege-Kollegin-Beziehung ist es in den USA noch problematischer.

Bezeichnend die Bemerkung: Nichts trennt die USA und Großbritannien mehr als die gemeinsame Sprache.

„Schulenglisch anno irgendwann“

 Die meisten Berufstätigen sind sprachlich auf dem Stand „Schulenglisch anno irgendwann“. Schule vermittelt naturgemäß Wissen. Die Fähigkeit, Englisch zu sprechen, steht dagegen leider nicht auf dem Lehrplan. Genau die Fähigkeit, die im Wirtschaftsleben immer wichtiger wird. Und so führen false friends weiterhin ein exotisches Eigenleben mit Peinlichkeitsfaktor.

Impfschutz dagegen:

  1. Handlungsbedarf erneut erkennen.
  2. Lösung (Training) nicht – wie bereits so oft – wieder aufschieben.
  3. Aktiv das Englischsprechen trainieren
  4. (statt erneut, wie in der Schule, zum 7. Mal die Theorie, lesen, schreiben aufzufrischen).

Kollege hilft.

Ob sprachliche Missgeschicke aufgedeckt und dem Kollegen die Chance gegeben wird, diese künftig zu vermeiden, hängt von vielen Faktoren ab. Gelebte Unternehmensphilosophie, Kollegialität, Teamfähigkeit, schlichtes Mitgefühl oder aber zur Vermeidung unangenehmer Situationen. Zum Beispiel, wenn dieser Kollege direkt daneben am Konferenztisch sitzt, in unregelmäßigen Abständen false friends versprüht und man endlich versteht, was das Wort Fremdschämen bedeutet.

Andere freuen sich über sprachliche Pannen ihrer Kollegen, erzählen diese gerne und oft weiter, mit und ohne Namensnennung, andere nutzen sie für ihre eigenen Ziele.

Unentdeckt durch kollektive Unwissenheit

Die meisten false friends genießen die kollektive Unwissenheit, bleiben den meisten Mitarbeitern völlig unbekannt und somit unentdeckt (Kollegen, die im englischsprachigen Ausland lebten und arbeiteten ausgenommen).

False friends laufen zur Hochform auf, sobald Mitarbeiter einen besonders „cool und gut klingenden Satz“ eines Kollegen mittels mündlichen „copy and paste“ kopieren. Sie multiplizieren diese Sprach-Viren im gesamten Unternehmen, mündlich wie schriftlich (Quality Management) zur Belustigung der englischsprachigen Geschäftspartner. Solange, bis sich jemand erbarmt und die Panne aufdeckt.

Die Hoffnung, dass von Sprachpannen keine Rückschlüsse auf die geschäftliche Kompetenz gezogen werden, stirbt dabei zuletzt. Die tatsächlichen Folgen variieren so von erheiternd über peinlich bis geschäftsschädigend.

Zwei mittlerweile „geduldete“ Beispiele Englisch klingender false friends, die sich verbreiteten und durchsetzten, sind in Deutschland das „Handy“ („handy“, engl. für „bequem, handlich, praktisch“) und „public viewing“ (engl. für „Ausstellung eines aufgebahrten Leichnams“).

Wie schätzen andere Menschen uns ein?

Aussehen, Stimme, Geruch und unsere Ausdrucksweise entscheiden innerhalb weniger Sekunden, welchen ersten Eindruck ein anderer Mensch von uns hat. Aber auch wenn wir bereits bekannt sind, werden wir immer wieder über unsere Ausdrucksweise eingeschätzt und eingestuft. Wir werden realistisch eingeschätzt aber auch über- und unterschätzt und wertgeschätzt.

Je rudimentärer wir uns ausdrücken, desto schwerer fällt es anderen Menschen, uns so einzuschätzen, wie wir tatsächlich sind. Sind wir hochqualifiziert, können wir dies aber nicht mitteilen, verpufft der Qualifikationsvorteil größtenteils.

Lernen wir einen hochqualifizierten Spezialisten kennen. wird er uns mit guten Sprachkenntnissen in unserer Muttersprache eher von seiner Qualifikation überzeugen als mit hakelig, fehlerhafter Sprache.

Dieser Effekt gilt jeweils in beide Richtungen, so dass der schlecht Englisch sprechende Bewerber entsprechend unqualifiziert wirkt, sobald er sich auf Englisch präsentiert.

Englisch sprechende Kollegen, Partner und Kunden stecken den false-friends-Nutzer, der meist grundsätzlich englischsprachlich untrainiert ist, in eine geistige Schublade. In dieselbe Schublade, in die wir Menschen projizieren, die schlecht Deutsch sprechen. Auch wenn sie sehr qualifiziert wären, würden wir es nicht erkennen, weil wir sie nur nach ihrer Sprache beurteilen.

Sprachlich inkompetent – fachlich inkompetent?

Was bewirken also solche Fehler? Selbst wenn Menschen wissen, dass dies nicht aus Absicht geschah, traut man solch unsicheren Personen mehr Fehler zu als anderen, die sich fehlerfrei verständigen.

Wirkt der Verursacher danach lächerlich? Sicher ist eins: Jeder Mensch ist grundsätzlich evolutionsbedingt darauf konditioniert, Neuigkeiten und Pannen sehr gerne weiter zu erzählen. Selbst wenn auch er denselben Fehler gemacht hätte. Der Mensch ist sensationshungrig, der eine mehr, der andere weniger. Er freut sich über die Fehler der anderen und teilt diese auch gerne anderen mit.

Zieht der Kollege oder Vorgesetzte mit mittelmäßiger Englisch-Sprechpraxis die Lacher auf seine Seite, wirkt sich dies in der Außenwirkung gegenüber Kunden und Partnern eher kompetenzmindernd aus. Meist hat eine Führungskraft nur die Sprache, um ihre Fähigkeiten darzustellen. Gelingt dies auf Englisch nicht, hebeln unter anderem false friends einen Teil der Anerkennung und Wertschätzung aus.

Je nach natürlich unbewusster Wahl der false-friends sabotiert man die eigene Kompetenz systematisch, gerade weil sie viel spektakulärer und wirkungsvoller sind als jeder andere sprachliche Fehler. Die Chancen mit false-friends als Comedian wahrgenommen zu werden sind höher als die des „kompetenten“ Geschäftspartners.

Dass es „falsche Freunde“ nicht nur in der englischen und in anderen Sprachen, sondern auch in der deutschen Sprache gibt, wissen alle, die Dialekte kennen. Auch hier gibt es dieselbe Gefahr. Ein Wort hat in verschiedenen Gegenden unterschiedliche Bedeutungen. Wörter, die den uns bekannten ähnlich sind, werden dann vorschnell in eine Bedeutungsschublade geschoben. Meist in die falsche.

Dialekte haben ihren Reiz und sind erhaltenswert. Mehrdeutige Begriffe, unbedacht gesprochen, sorgen mindestens für Missverständnisse und schlimmstenfalls für Probleme. Zwischenmenschliche oder geschäftliche.

Macht man sich dies bewusst, ist es einfach, diese Problemverursacher, die oft beim Gesprächspartner nur unterschwellig, unbewusst wirken, gar nicht erst entstehen zu lassen.

Geschickte und sich der Problematik bewusste Personen, fügen deutsche falsche Freunde ein und liefern die Auflösung scherzhaft hinzu, damit die Pointe des Begriffs erhalten bleibt, aber für den anderen dennoch erklärbar ist. Gefahr gebannt, da unangenehme Verwechslungen, die durchaus auch Beleidigungsformat haben, chancenlos bleiben. (Wir kennen dies unter „Bei uns in … sagt man …dazu!“).

Systematisches „Anti-False-Friends-Training“

  1. Viele false-friends kennen lernen. Eine große Auswahl finden Sie hier. https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_falscher_Freunde#Schweizer_Hochdeutsch
  2. Begriffe selektieren, die dem eigenen Sprachgebrauch entsprechen.
  3. Selektierte Wörter im persönlich üblichen Kontext in komplette Sätze einbinden.
  4. Die im Zusammenhang stehenden Wörter oder besser die ganzen Sätze laut, wirklich laut, sprechen. Die korrekte Variante setzt sich durch diese häufige Übung im Gedächtnis so fest, dass sie situativ und intuitiv spontan richtig abrufbar sind.

Werden die Sätze nicht aktiv und laut trainiert, geht das Gehirn wieder den Umweg, einzelne Wörter in einem Satz zu kombinieren. Dadurch haben unsere falschen Freunde erneut ihre Chance. Dies speziell in sprachlich stressigen Situationen, in denen das Gehirn zu wenig Zeit hat, intuitiv die richtige Variante abzurufen. Es reagiert intuitiv naheliegend und damit falsch, da die richtige Variante mangels Training nicht intuitiv abrufbar ist.

Haben Sie weitere Fragen zu dem Thema „Englisch sprechen im Vorstellungsgespräch“?

Gerne beantworte ich diese per E-Mail. Weitere Tipps für Berufstätige, Bewerber, Absolventen, Schülern und Studenten finden Sie auf www.karriere-abc.com

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