Die Kleidung im Bewerbungsgespräch

Die Kleidung im Bewerbungsgespräch

Schon der deutsche Volksmund sagt: „ An den Federn erkennt man den Vogel.“

Die Kleidung ist schon im normalen Berufsumfeld ein Thema, dass viele Seiten, ja ganze Bücher füllen kann. Es geht hier im speziellen Fall nur um die Bekleidung am Tag der persönlichen Gespräche beim zukünftigen Arbeitgeber.

„Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und vor allem: Was ziehe ich an?“ soll ein unbekannter Verfasser mal gesagt haben. Zitate liebe ich vor allem deswegen, weil sie so schöne Platzhalter für eine Fülle von Informationen sind. Jeder Bewerberin und jedem Bewerber möchte ich diese Fragen als Denkansatz mitgeben, um sie sich selber am Tag der Bewerbung morgens zu stellen und zu entscheiden. Komme ich nicht von zu Hause, nehme ich an dem Tag, an dem ich meinen Kleiderschrank verlasse, die Kleidung mit, die ich an dem Tag des Bewerbungsgesprächs anziehen möchte. Die Gewichtung liegt auf dem mittleren Teil „Wohin gehe ich?“, da ersterer bekannt ist.

Andere Branchen, andere Sitten

Jede Branche und jedes Unternehmen ist anders, manchmal ist es auch in größeren Unternehmen zwischen verschiedenen Bereichen oder Abteilungen bisweilen sehr unterschiedlich. Der Chemikant, der sich im Nadelstreifenanzug beim Chemieunternehmen bewirbt, wird genau so kritisch gemustert, wie der Vorstandsassistent in Jeans eine Tür weiter.

Machen Sie sich klar, wohin die Reise gehen soll. Wie sieht der typische Stelleninhaber beim Unternehmen aus? Gelegentlich wird es auch schon mal auf der Website Tipps zur Bekleidung geben.

Was wird von Ihnen erwartet? – In erster Linie, dass Sie fachlich und menschlich zur Position passen. Nun ist es aber so, dass sich der erste Eindruck, den Menschen sich voneinander bilden, zu großen Teilen von der Optik geprägt wird. Nahezu 50% unserer Wahrnehmung wird durch die Kleidung geprägt, die anderen 50 % sind unsere Mimik und unsere Körpersprache, die im Idealfall mit unserer Kleidung und unserer Stimme harmonieren.

Winterzeit, Sommerzeit?

Ein nicht zu vernachlässigender Punkt ist die Situation bzw. der Ort, an dem das Gespräch stattfindet unter Beachtung der Jahreszeit bzw. der aktuellen Umgebungstemperatur. Ich hatte mal den Fall, dass im Winter ein Erstgespräch mit dem Kandidaten und sieben Gesprächsteilnehmern in einem kleinen Zimmer bei hoher Raumtemperatur stattgefunden hat.

Alleine durch die Anzahl der Gesprächspartner in dem engen Raum, kommen Sie schon ins Schwitzen.“ warnte ich meinen Kandidaten vorab.

Unwohlsein gilt es zu vermeiden!

Ihre Kleidung muss sitzen, nicht zu eng und darf Sie nicht behindern. Auch sollten Sie sich darin wohlfühlen. Manchmal ist es notwendig, dass Sie sich mit Ihrer neuen Kleidung, die Sie extra für das Gespräch gekauft haben, erst mal ein bis zwei Proberunden drehen, um sich daran zu gewöhnen.

Sie fragen sich bestimmt, „Was ziehe ich denn nun an?“. Für Frauen möchte ich nichts Konkretes empfehlen. Zum einen achten Frauen fast immer wesentlich besser auf ihr Äußeres, zum anderen bin ich da nicht der Experte, was auch der Branche, in der ich tätig bin (Engineering und IT), geschuldet ist.

Hinweise für Frauen

In über 5.000 persönlichen Gesprächen habe ich in weniger als einem Drittel mit Frauen an einem Tisch gesessen. Ich kann mich nur an einen Fall erinnern, bei dem eine Frau zu stark geschminkt war, zu viel Parfüm aufgelegt hatte und die Kleidung zwar alles in allem ok war, das „Gesamtpaket“ jedoch das Unternehmen, bei dem das Gespräch stattfand, abgeschreckt hat.

Generell sage ich, dass Rock, Kleid, Hosenanzug in Kombination mit Bluse oder Shirt und Blazer in gedeckter Farbe mit dezentem Makeup und einem Hauch des Lieblingsparfüms in Ordnung sind. Bitte keine grell geschminkten Augen, Lippen etc. und auch kein Überfluss an Kajal oder Lidschatten. Beim Parfüm gilt der Spruch „Weniger ist mehr!“

Bei den Männern fällt es mir etwas leichter.

Selten habe ich einen Mann im Vorstellungsgespräch getroffen, der zu gut angezogen war. Häufig passte die farbliche Abstimmung nicht zusammen. Die Ausrede „Ich komme gerade von der Arbeit.“ ist nicht wirklich hilfreich. Spätestens beim Bewerbungsgespräch im Unternehmen sollte ein Stoffhose, ein Hemd und idealerweise ein Sakko, passend zur Hose (es muss kein Anzug sein) gewählt werden. Die Krawatte hat noch nicht ganz ausgedient, ist aber in den meisten Fällen nicht mehr vorgeschrieben. Was nicht heißen soll, dass eine Krawatte weggelassen werden muss. Wer sie gerne trägt und richtig zu binden weiß, kommt damit fast immer passend gekleidet.

Natürlich, dürfen Sie sich vorab informieren und nachfragen, was erwartet wird.

Führungskräfte

Bei Führungskräften und im Vertrieb gehört es zum guten Ton, im Anzug mit Krawatte und dazu passenden, gut geputzten, nicht ausgetretenen Schuhen zu erscheinen. Mit einem schwarzen Lederschuh macht Mann kaum etwas falsch.

Jeans, kurze Hosen, T-Shirt, grelle Farben und gewagte Farbkombinationen gehören nicht zu einem Vorstellungsgespräch. Die Bekleidung soll Ihren Typ betonen oder unterstreichen und nicht überdecken.

Körperpflege

Genauso wichtig ist ein gute Körperpflege, saubere, geschnittene Fingernägel, gekämmte Haare (ohne zu viel Gel und bitte keine zu gewagten Frisuren). Und den Körperschmuck, wie auch anderen Schmuck, lässt Mann besser weg. (Ehering ist selbstverständlich ok). Auch wenn es gesellschaftlich anerkannt ist, dass Mann einen Ohrring trägt und auch Piercings im Alltag überall zu sehen sind, im Bewerbungsgespräch lenken Sie von Ihnen ab. Bei Frauen ist es tendenziell etwas anderes, dennoch auch hier der Hinweis „Weniger ist mehr!“.

Fazit:

Die Kleidung sollte Nebensache sein, nicht zu auffällig und in jedem Fall Ihr gepflegtes Äußeres unterstreichen. Keinesfalls sollte Ihre Kleidung Kernpunkt des Gesprächs werden. Es geht um Ihre Person als neuer Mitarbeiter, nicht um Ihre Hülle.

Noch Fragen zum Vorstellungsgespräch oder der damit verbundenen Aufgabe? Bitte melden Sie sich bei mir. Weitere Fragen beantworte ich gerne auf Zuschrift und nehme diese gegebenenfalls auch anonymisiert hier auf. Ihre Fragen können Sie mir per Email an christof.wirtz@abc.jetzt zu senden. Alle Daten werden vertraulich behandelt. Bis nächste Woche, wenn es um Fragen im Gespräch geht.

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