Gastbeitrag von Dr. Johanna Dahm

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Am Aufbau des Bewerbungsanschreibens scheiden sich tatsächlich Geister und Größen der Karriereberatungs-Welt: Eher konservativer Stil oder möglichst ungewöhnliche Ansprache, um sich von einer unkalkulierbaren Bewerber-Masse abzusetzen? Was nun tun, vor allem wenn das leere Blatt bzw. der leere Bildschirm nicht gerade zu kreativen Höchstleistungen inspiriert?

Ich persönlich liebe es einfach, darum setze ich auf die „3+1“-Regel, sie betrifft den Aufbau des Anschreibens und funktioniert folgendermaßen: eine möglichst persönliche Anrede des Adressaten – drei in sich prägnante Absätze – eine Schlussformel.

Warum so knapp? Studien haben ergeben, dass Bewerbungen durch mehrere Hände gehen, aber in keiner länger als maximal eine Minute verweilen. Für die Lektüre gar mehrseitiger Anschreiben bleibt da folglich keine Zeit, Kernaussagen müssen in sich schlüssig formuliert sein, und geschulte Personaler ebenso wie gestresster HR Manager wissen es zu schätzen, wenn der Bewerber ihr knappes Zeitbudget nicht überanstrengt. So kann ein ausuferndes Anschreiben durchaus Kriterium sein, den Kandidaten gar nicht erst näher anzuschauen: wie soll ein potenzieller Mitarbeiter unter Zeit- und Kostendruck Höchstleistung erbringen, wenn er das eigene Portfolio nicht kundenorientiert aufbereiten kann?

Kommen wir auf die „3+1“-Regel zurück und betrachten die Inhalte:

  1. Abschnitt oder „Empathie-Teil“. Er bedient sich der Technik des aktiven Zuhörens, wiederholt mit anderen (!) Worten die Ausschreibung und dient dazu, das eigene Verständnis der ausgeschriebenen Position dazulegen. Dabei bedarf es keinesfalls der Floskel „ich bewerbe mich auf die Stelle xy….“, sondern eher einer Umschreibung wie „Um die Produktpalette Ihres Hauses  zu vertreten und zu erweitern, sind klare Kommunikations- und Organisationsstruktur….notwendig.“ usw. Achtung: keinesfalls sollen die Vokabeln der Ausschreibung wiederholt, sondern tatsächlich die eigene Sichtweise auf die vakante Stelle wiedergegeben werden.
  2. Abschnitt oder „Resonanz-Teil“. Verkürzt den eigenen Lebenslauf stark und stellt nur (!) den Bezug zur vakanten Position her: Haben wir im 1. Abschnitt dargestellt, welche Anforderung an uns gestellt werden, so zeigen wir in Abschnitt 2, warum wir diesen Anforderungen gewachsen sind und wo wir die dazu gehörigen Kompetenzen erworben haben. Heißt: „Im Zuge einer Portfolio-Erweiterung hatte ich bereits bei meinem jetzigen Arbeitgeber Gelegenheit, neue Kommunikations- und Organisationsstrukturen zu etablieren…“. Achtung: stets den wirklichen Eigenanteil an Leistungen herausheben und bei der Wahrheit bleiben.
  3. Abschnitt oder „Sympathie-Teil“. Nachdem ich mich in (2) mit meinen Stärken positioniert habe, kann ich hier mit weicheren Faktoren punkten, z.B. mit meiner Begeisterung von Weiterbildungsangeboten beim potenziellen neuen Arbeitgeber, mit dem stets gehegten Traum von einer bestimmten Firma etc. Achtung: hier geht es um Überzeugungskraft, die auch bei einem persönlichen Gespräch unter Beweis gestellt sein will!

„+1“ meint dann die Schlussformel, die möglichst ohne Hilfsverben auskommen und knapp ausfallen sollte: „Wenn meine Bewerbung Sie angesprochen hat/ die Beweggründe zu meiner Bewerbung Sie überzeugt haben, freue ich mich auf ein Kennenlern-Gespräch“. Achtung: allzu viele Schnörkel haben hier ebenso wenig Platz wie zu voreilig bekannte Gehaltsvorstellungen. Diese möglichst immer im persönlichen Gespräch klären.

Johanna Dahm, JODA Coaching für Entscheidungsfindung & Krisenberatung. www.joda-coaching.com, j.dahm@joda-coaching.com JODA Coaching. entschiede lieber ungewöhnlich.

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