Eine andere Meinung

Eine andere Meinung

Wie oft kommt es vor, dass Kollegen, Mitarbeiter, Vorgesetzte oder Geschäftsführer und Inhaber eine andere Meinung untereinander bzw. mit einer jeweils anderen Gruppe haben?

Es ist wichtig, andere Meinungen zu hören, wenn man Führungskraft ist, um Entscheidungen besser treffen zu können. Das gilt für alle Ebenen.

Als Mitarbeiter hört man sich wahrscheinlich häufiger die „andere Meinung“ des Vorgesetzten an, während man unter Kollegen häufig einer Meinung ist. Doch auch unter Kollegen kommt es durchaus zu verschiedenen Meinungsbildungen, nicht nur in Bezug auf andere Kollegen.

Eine andere Meinung zu haben ist an sich noch nicht die Herausforderung. Schwierig wird es in der Kommunikation zur Außenwelt.

Warum ist es so schwierig, eine andere Meinung gegenüber Kollegen und Vorgesetzten zu vertreten? Wird das mit zunehmender Karriere eher leichter oder schwieriger?

Kommunikationsgesetze

Wir kennen die „Gesetze“ doch alle. Egal ob „Ober sticht Unter“ oder „§1 Der Chef hat immer Recht. §2 Falls der Chef mal nicht Recht hat, tritt automatisch §1 in Kraft.“

Dabei höre ich von so vielen Geschäftsführern und Inhabern: „Ich möchte keine ‚Ja-Sager‘ um mich herum haben. Ich möchte Mitarbeiter und Führungskräfte haben, die auch mal ihre Meinung äußern, die durchaus anders als die meine ist.“

Kommt es zu dieser Meinungsäußerung, verhalten sich viele aus der Führungsgruppe jedoch entgegengesetzt zu ihren vorherigen Äußerungen.

Das Ergebnis ist, das die Chefs von ‚Ja-Sagern‘ umzingelt sind. Mir ist bewusst, dass es für diese Gruppe noch viele andere, weniger schöne Namen auf Kollegenebene gibt.

Ein weiteres Ergebnis ist, dass der ‚Chef‘ seine Entscheidungen weniger hinterfragt bzw. Zustimmung erhält obwohl etwas fehlt oder das Ganze komplett in die falsche Richtung läuft. Je weiter die Führungsebene von der ersten Mitarbeiterebene entfernt ist, desto größer sind die Auswirkungen dieser Entscheidungen.

„Der Alte ist im Werk“

Es gibt einige Firmengründer, die lange Jahre im Amt auf eine erfolgreiche Firmengeschichte zurückschauen. Einige von diesen haben die Angewohnheit, zu bestimmten Zeiten oder auch mal zwischendurch zu ihren Mitarbeitern auf der operativen Ebene zu gehen und sich mit diesen zu unterhalten. Hierbei sammeln sie wertvolle Informationen über Produkte, Dienstleistungen, Qualität, Kundenstimmen und Führungsverhalten.

Klar, nicht jeder Mitarbeiter traut sich, dem Chef etwas zu sagen. Fördert dieser jedoch das kritische Gespräch mit seinen Angestellten und hat ein offenes Ohr für deren Anliegen, wird er meist bereichert. Mitunter, so erzählen mir diese Inhaber, hat das Entscheidungen, die getroffen werden sollten durchaus verändert. Meist zum besseren Ende.

Offene Kommunikationskultur

Wie kann ich es also schaffen, in meinem Unternehmen für eine offene Kommunikationskultur zu sorgen?

Es gibt nur eine Antwort: in dem ich sie fördere und fordere, was vor allem Vorleben bedeutet.

In ein paar wenigen Unternehmen wurden Titel und Hierarchien zugunsten des Teams abgeschafft. Was sich für die eine oder den anderen als Anarchie anhört, ist die erfolgreiche Umsetzung von neuen Arbeitsabläufen oder sogenannten „Workhacks“. Das regelmäßige Feedback im Team hat dabei eine sehr hohe Priorität. (Ich empfehle an dieser Stelle, mal nach „workhack“ zu googeln.)

Was kann ich als Mitarbeiter dazu beitragen?

Meine erste goldene Regel im Kritikgespräch ist:

Nur mit vollem Magen lässt sich effektiv streiten.

Manch einer mag sich darüber wundern. Jedoch habe ich selber die Erfahrung gemacht, dass ein vorheriges gemeinsames Essen mit nachgeschaltetem Kritikgespräch wesentlich konstruktiver verläuft als ein kurzfristig anberaumtes Donnerwetter vor der Mittagspause.

Die zweite Regel:

Nehmen Sie sich Zeit für das Gespräch und lassen Sie alle ausreden

Oft ist man sowieso zeitlich eng eingetaktet, will mal eben kurz was sagen, was auch ankommen soll, sprich zu Verhaltensänderungen führen soll und wundert sich, wenn der andere nicht zuhört einem reinredet oder gar selber den anderen unterbricht. Solche Ansätze sind zum Scheitern verurteilt. Unsere Arbeitsprozesse haben die Ebene des Kommandotons lange verlassen. Man befiehlt seinen Mitarbeitern nichts, man motiviert sie auch nicht und Bitten bitte auch nicht.

Jede Führungskraft hat die Aufgabe seine Mitarbeiter so auszuwählen und dahin zu bringen, dass der Wunsch nach Änderungen im Verhalten vom Mitarbeiter selbst kommt.

Jetzt hebt er ganz ab?

Im Grunde weiß jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter doch, was gut ist und was geändert werden muss, wenn die Ziele klar sind. Wenn nicht die, wer dann?

Liegt es eventuell daran, dass die Ziele nicht klar formuliert, transparent oder sogar nicht geäußert wurden?

Ziele sollten S.M.A.R.T sein. (In ein paar Wochen folgt der Artikel zu diesem Thema.)

S bedeutet spezifisch
M bedeutet messbar,
A bedeutet attraktiv,
R bedeutet realistisch,
T steht für terminiert.

„Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“ (Saint-Exupéry)

Versuchen Sie, Ihrem Vorgesetzten diese Punkte klar zu machen und hören Sie zu, wie er oder sie sich dazu äußert.

Änderungen

Das Fazit wird sein: „Ändere es, nimm es an oder verlass das Unternehmen.“

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass die meisten Arbeitnehmer zwar von dieser Freiheit träumen aber auf der anderen Seite vor der Verantwortung zurückschrecken. Es gibt dann auf einmal keinen Vorgesetzten, hinter dessen (falschen) Entscheidungen man sich bequem verstecken kann. Man ist auf einmal selber in der Bringschuld.

Vor kurzem habe ich ein Unternehmen in Düsseldorf besucht, das diese Änderungen eingeführt und so eine Krise überwunden hat. Es war nicht immer einfach und es wurde auch im Laufe der Zeit vieles geändert. Letztendlich ist die Änderung das einzig Stetige. Die Änderung basiert wiederum auf freier und respektvoller Meinungsäußerung im Feedback-Gespräch untereinander.

Eine andere Meinung

Wenn Sie anderer Meinung sind oder abweichende Punkte haben, die ich nicht erwähnt habe, freue ich mich über Ihre Zuschriften. Sie finden weitere Artikel zum Thema Karriere unter www.karrriere-abc.com und erreichen mich unter christof.wirtz@abc.jetzt

Ich freue mich auf Ihre Meinungen!!

By | 2018-03-01T12:03:16+00:00 März 1st, 2018|Allgemein, Karriere|