Bewerbungsgespräch – Fünf Fragen, die nicht gestellt werden dürfen

Du hast eine Bewerbung geschrieben und wirst zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Die Freude ist groß und etwas Anspannung ist auch dabei. Alles läuft gut, doch dann fragt der Arbeitgeber plötzlich nach besonders persönlichen Dingen. Klar: Im Bewerbungsgespräch will jeder sein Gegenüber möglichst gut kennenlernen. Aber alles ist hier nicht erlaubt.

Gastbeitrag von Guido Lenné Rechtsanwalt aus Leverkusen, den ich über die Wirtschaftsjunioren Leverkusen kenne.

Hier findest du Fünf Fragen, die nicht gestellt werden dürfen:

Religion und Politik?

Grundsätzlich darf der Arbeitgeber den Bewerber nicht nach seiner religiösen oder politischen Überzeugung fragen. Auch die Frage nach der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gewerkschaft ist nicht zulässig.

Ausnahmen gelten für konfessionelle oder parteipolitische Arbeitgeber. Eine Kirche kann als Arbeitgeber ein berechtigtes Interesse daran haben, dass sich die Glaubensrichtung des zukünftigen Arbeitnehmers mit der eigenen deckt.

Vorstrafe und anstehende Haft

Nach einer Vorstrafe dürfen Arbeitgeber nur fragen, wenn diese für den Arbeitsplatz relevant ist. So darf ein Spediteur einen Fahrer nach seinen Verkehrssünden fragen. Bei einer Kindergärtnerin wäre die Frage jedoch nicht zulässig. Nach laufenden Ermittlungsverfahren darf nur dann gefragt werden, wenn ein solches Verfahren Zweifel an der Eignung des Arbeitnehmers aufkommen lassen könnte.

Wurde der Bewerber zu einer Haftstrafe verurteilt, so muss er dies dem Arbeitgeber ungefragt mitteilen. Hier besteht eine Offenbarungspflicht des Bewerbers.

Krank und behindert

Ob der Stellenbewerber behindert ist oder nicht, darf nur gefragt werden, wenn der Arbeitgeber aufgrund der speziellen Anforderungen der ausgeschriebenen Stelle berechtigte Zweifel an der Eignung des Bewerbers haben kann.

Ganz allgemein muss niemand Auskunft über seine gesundheitliche Verfassung geben. Hat der Bewerber jedoch eine ansteckende Erkrankung und gefährdet Kunden und Kollegen besteht wiederum eine Offenbarungspflicht. Kann er aufgrund einer schweren Krankheit seine zukünftigen Aufgaben überhaupt nicht erfüllen, gilt das gleiche. Dann kann der Arbeitnehmer widrigenfalls sogar schadensersatzpflichtig werden. Hier gilt: Besser ungefragt ansprechen!

Schulden und Gehaltspfändung

Nach bevorstehenden Pfändungen dürfen Arbeitgeber nur fragen, wenn diese ein so erhebliches Ausmaß haben, dass dem Arbeitgeber erheblicher zusätzlicher Aufwand droht. Befürchten Bewerber dagegen nur geringfügige Pfändungen, ist die Frage unzulässig und darf dann sogar mit einer Lüge beantwortet werden.

Alter und Herkunft

Arbeitgeber sind gut beraten, nicht nach dem Alter eines Bewerbers zu fragen. Denn das Gesetz verbietet eine Diskriminierung aus Gründen des Alters. Daher sind Fragen nach dem Alter unzulässig. Zulässig sind aber natürlich Fragen nach der beruflichen Erfahrung des Bewerbers, die Rückschlüsse auf das Alter zulassen. Also z.B.: Wann haben Sie Abitur gemacht? Wie viele Semester haben Sie studiert? In welchem Jahr war Ihre Gesellenprüfung?

Fragen nach der ethnischen Herkunft sind unzulässig. Das Gesetz verbietet eine Diskriminierung aufgrund der Herkunft. Zulässig ist aber z.B. die Frage nach der Muttersprache des Bewerbers.

Und wenn doch gefragt wird?

Was hilft es, wenn jetzt theoretisch klar ist, was der Arbeitgeber darf und was nicht, wenn solche Fragen dann trotzdem gestellt werden? Da die Nichtbeantwortung einer unzulässigen Frage immer eine Benachteiligung des Bewerbers im Auswahlverfahren zur Folge haben kann, hat man ein Recht zur Lüge. Man darf bei unzulässigen Fragen falsche Antworten geben. Wahrheitswidrige Aussagen auf unberechtigte Fragen haben keine nachteiligen Folgen für den Bewerber. Aber: In manchen Fällen hat der Arbeitgeber ein so gesteigertes berechtigtes Interesse daran, Informationen über einen Bewerber zu erhalten, dass der Arbeitnehmer ihm gewisse Umstände ungefragt mitteilen muss.

Kostenfreies Ebook mit Tipps zur Kündigung

Haben Sie das Bewerbungsverfahren erfolgreich hinter sich gebracht, bekommen Sie den Wunschjob. Kommt es zur Kündigung, hilft Ihnen unser beliebtes Ebook mit den besten Tipps, die Sie dann unbedingt beachten sollten.

Guido Lenné

Rechtsanwalt Guido Lenné ist Inhaber der Anwaltskanzlei Lenné, ein moderner Dienstleister für Rechtsberatung und Prozessführung. Die bundesweit tätige Kanzlei hat Büros in Leverkusen und München und ist auf die Fachgebiete Bankenrecht, Kreditrecht, Kapitalmarktrecht, Versicherungsrecht, Arbeitsrecht, Internetrecht, Wirtschaftsstrafrecht sowie weitere spezialisiert.

Mehr erfahren Sie unter: www.anwalt-leverkusen.de

Alles rund um Beruf, Bewerbung und Karriere: karriere-abc.com

Hier finden Sie nähere Informationen zu unseren Angeboten für  Bewerbungsberatung und Karriereberatung.

By |2018-08-30T11:03:07+00:00Februar 1st, 2018|Bewerbungsgespräch, Gastbeitrag|