Wie werden Lebenslaufvorlagen aus Sicht des Unternehmens bewertet? Ist es sinnvoll vorgefertigte Lebensläufe zu nehmen oder gar einen Lebenslaufgenerator

Mein Lebenslauf soll besser werden

Mein Lebenslauf soll besser werden

Lebenslauf, CV, Curriculum Vitae, Werdegang? Hier herrscht babylonische Sprachverwirrung. Immer wieder stelle ich fest, dass diese Begriffe falsch oder bunt gemischt verwendet werden.

Der Lebenslauf beginnt wie der Flusslauf bei der Geburt (Quelle) und fließt über Schulabschlüsse, Berufsausbildung, Studium und die einzelnen beruflichen Stationen bis zum heutigen Zeitpunkt (Mündung).

Beispiel für einen Lebenslauf:

1977-1986 Gymnasium
Abschluss: Abitur
1986-1988 Ausbildung zum ABC bei der XY GmbH
Abschluss: Kaufmann
1988-1993 Studium an der Sowieso Fachhochschule, Entenhausen
Abschluss: Diplom-Kaufmann (FH)
Seit 1993 Kaufmännischer Sachbearbeiter bei Müller-Meier-Schmitz AG

Beispiel für einen Curriculum Vitae (CV):

Seit 1993 Kaufmännischer Sachbearbeiter bei Müller-Meier-Schmitz AG
1988-1993 Studium an der Sowieso Fachhochschule, Entenhausen
Abschluss: Diplom-Kaufmann (FH)
1986-1988 Ausbildung zum ABC bei der XY GmbH
Abschluss: Kaufmann
1977-1986 Gymnasium
Abschluss: Abitur

Der CV oder Curriculum Vitae ist eher in Abschnitte gestückelt und wird vor allem bei Berufserfahrenen und Führungskräften als umgekehrte chronologische Aufzählung genutzt.

Es gibt hier kein richtig oder falsch, nur ein ‚passt gut zu meinem Werdegang‘ oder ‚passt nicht so gut‘. Es ist also eine sehr individuelle Frage.

Dem gelernten Schreiner, der nach drei verschiedenen Gesellenunternehmen seinen Meister gemacht hat, um dann später zu studieren und jetzt seit 12 Jahren in der 2. Führungsebene tätig ist, werde ich eher den umgekehrten CV empfehlen.

Für Berufseinsteiger und Absolventen

Jedem Berufseinsteiger empfehle ich, den Lebenslauf chronologisch aufzubauen. Auch nach den ersten drei Stellen lässt sich der Werdegang bei gut zusammen passendem Berufsweg so noch gut darstellen. Je weiter ich mich von der letzten Position meines Werdegangs vom Ursprung entferne, desto eher sollte von dem CV Gebrauch gemacht werden. Oft habe ich schon eine Mischform empfohlen. D.h. neben den persönlichen Informationen und dem Lichtbild auf die erste Seite eine chronologische Zusammenfassung des Werdegangs auflisten. Ab der zweiten Seite dann umgekehrt chronologisch von der aktuellen Position bis zu Studium zurückkehren. Die Ausführlichkeit der Beschreibung ist stichpunktartig und wird zum Ende hin knapper.

Alle Informationen, die für das einstellende Unternehmen wichtig sind und die der Entscheider für die Auswahl der Gesprächskandidaten benötigt, sollten hier übersichtlich zusammengefasst sein. Nicht zu lang – zwei bis drei Seiten sind ok und nicht zu kurz.

Persönliche Daten

Bei den persönlichen Daten scheiden sich heutzutage die Geister. Da aufgrund des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) bestimmte Angaben wie z.B. Alter, Religion, Nationalität nicht mehr als Auswahlkriterium gelten dürfen, werden diese oft weggelassen. Ich empfehle nach wie vor, Geburtsdatum und Ort sowie den Familienstand anzugeben. Eltern, Kinder, Geschwister und Verwandte gehören nicht in den CV. Die religiöse Weltanschauung des Bewerbers spielt auch keine Rolle.

Die letzte Schule mit dem höchsten Schulabschluss reicht, danach Ausbildung, evtl. Wehr- oder Ersatzdienst anschließend das Studium.

Seitenzahlen

Seitenzahlen sind nicht verkehrt, eine permanente Adresszeile oberhalb oder unterhalb des Dokuments ist nicht nötig und wird gelegentlich als störend empfunden.

Bei Führungskräften ist es beliebt, auf der ersten Seite eine Art Management Summary, sprich die wesentlichen Stärken deutlich herauszuheben. Diese sollten in jedem Fall mit Tätigkeiten belegbar sein und sich nicht in Allgemeinplätzen verlaufen. Zum Ende hin runden Kenntnisse (nicht nur IT) und ein bisschen Einblick in private Vorlieben und Hobbys das Ganze ab.

IT-Skills

Bei den IT-Skills immer dazu schreiben, ob man Experte oder Anwender ist oder gerade erste Kenntnisse hat. Alle Office-Produkte müssen nicht aufgezählt werden, es sei denn, es wird in der Ausschreibung gezielt danach gefragt.

Weniger ist mehr. So viel wie nötig, so wenig wie möglich, ist mein Leitspruch bei der Erstellung des Lebenslaufs.

Soll ich ungefragt einen englischen Lebenslauf abgeben? Nein. Nur, wenn danach explizit gefragt wird oder die Ausschreibung in Englisch geschrieben wurde. Parat haben ist wichtig, jedoch nur, wenn Sie sich auch bei entsprechenden Stellen bewerben wollen. Schaden kann es in den meisten höherwertigen Positionen nicht.

Optische Gestaltung

Zur Gestaltung auch noch der Hinweis: So wenig wie möglich Linien, Rahmen und Schnörkel. Bitte entscheiden Sie sich für eine Schriftart und wechseln nicht ständig bei jedem Abschnittswechsel zwischen Fett (bold), Kursiv und Unterstreichung hin und her.

In den allermeisten Fällen stehen die Jahreszahlen links und die Stellenbezeichnung sowie der beschreibende Text eingerückt auf der rechten Seite. Bitte nicht zu viel Platz links verschwenden und rechts alles zu gequetscht in einer zu engen Spalte schreiben.

Muster Lebenslauf

Warum hier kein Muster-CV bzw. Lebenslaufvorlage  zu finden ist? Uniformität ist nicht das Ziel. Jeder Lebenslauf ist Ihr Dokument und trägt Ihre Handschrift. Ein bisschen Mühe dürfen und sollen Sie sich machen. Bitte auf gar keinsten (!)* Fall einen klar erkennbaren Muster-CV aus dem Internet abgeben. Das kommt meist sehr schlecht an. Auch bei der Erstellung eines PDF darauf achten, dass nicht noch eine fröhliche Werbebotschaft des PDF-generierenden Programm drunter steht und dass auch die Formatierung im PDF so ist, wie Sie sich das mal ausgedacht haben.

*Exkurs: Das Wort „keinste/keinster“

gibt es natürlich nicht. „Keiner “ Ist nicht steigerbar. Es soll hier nur als Mahnung zu verstehen sein. Eine andere Steigerung von „voll“ gibt es schon. Obwohl „voll“ nicht steigerbar ist, gibt es die Formulierung „zur vollsten Zufriedenheit“ im Arbeitszeugnis. Hier – und nur hier – Ausdruck eines „Sehr gut“. Später mehr dazu.

Auf einen separaten Punkt „Das Bewerbungsfoto“ gehe ich in der nächsten Woche ein. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit, für die Fragen, die mich bisher erreicht haben und freue mich auf alle weiteren Fragen rund um das Thema Bewerbung, die Sie mir per Email an christof.wirtz@abc.jetzt zu senden können. Alle Daten werden vertraulich behandelt.

Alle bisher veröffentlichen Beiträge finden Sie hier:  www.karriere-abc.com

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