Nachfragen in der Bewerbung

“Was wir wissen, ist ein Tropfen; was wir nicht wissen ein Ozean.” (Sir Isaac Newton.)

Die Antwort auf viele Fragen bleibt versteckt im Ungewissen, bis wir sie stellen. Allerdings glauben viele, die Antwort schon vorher zu kennen und wollen daher gar nicht mehr fragen.

“Warum soll ich nachfragen? Lohnt sich ja eh nicht.”

Gelegentlich höre ich diese Antwort im Bewerbercoaching und in der Karriereberatung, wenn ich mein Gegenüber frage, ob er schon in Bezug auf seine  Bewerbungen nachgefragt hat. Wenn ich versuche, herauszufinden, woran es liegt, stoße ich entweder auf Unlust oder auf Angst.

Unlust und Trägheit

Die Unlust, Energie aufzuwenden, sich zu überwinden und anzurufen, wie der Stand der Bewerbung ist, ist sträflich. Einfach abzuwarten, was passiert, ist sehr naiv.

Zeigen Sie Aktivität und Initiative. Vermutlich haben Sie in Ihrer Bewerbung geschrieben, dass Sie eigeninitiativ und selbständig sind. Dann beweisen Sie es auch bitte bei der ersten Arbeitsprobe, Ihrer Bewerbung.

Angst vor der Antwort

Es ist wie mit Schrödingers Katze (Gedankenexperiment von Erwin Schrödinger zur Quantenphysik, 1935): erst, wenn Sie die Frage stellen, gibt es eine Antwort für Sie.

Vielleicht ist die Stelle schon besetzt, dann ist die Antwort “Nein, wir haben kein Interesse.”

Sehr oft habe ich in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht, dass Kandidaten kurz vor Dienstantritt abgesagt haben oder sich in den Vertragsverhandlungen verspekuliert haben. Für Sie heißt das, die Stelle ist wieder offen, es gibt eine neue Chance.

Angst ist etwas Ungewisses. Sie sollten lernen, ihr mit Mut zu begegnen.

Ein lebendes Beispiel

Auch dieses habe ich im doppelten Sinne im letzten Jahr erleben dürfen. Nach einem sehr guten Erstgespräch wollte unser Kunde den Bewerber zum zweiten Gespräch einladen und einstellen, wenn alles gut laufen würde. Er war der Wunschkandidat.

Dem Bewerber war anzumerken, dass sowohl die Branche als auch die “Chemie” mit dem Gesprächspartner stimmte. Allerdings erwähnte er nicht, dass er am übernächsten Tag eine Vertragsverhandlung bei einem anderen Unternehmen haben würde.

Der Spatz in der Hand.

So kam es, dass sich der Bewerber für einen anderen Arbeitgeber entschied. Start sollte in vier Monaten sein.

Die Suche geht weiter

So suchten wir weiter für unseren Kunden. Nach gut vier Wochen war ein passender Kandidat gefunden. Beide Vorstellungsgespräche verliefen gut, und er wurde zur Vertragsverhandlung eingeladen. Sehr erstaunt erfuhr ich, kurz nach diesem Gespräch, dass es zu Unstimmigkeiten gekommen war und ein Vertrag nicht zustande gekommen ist.

Nochmal von vorne?

Etwas belämmert saß ich an meinem Schreibtisch und haderte mit den Vorgängen. Da klingelte plötzlich das Handy. Am Telefon war der frühere Wunschkandidat.

Auflösung des Vertrags vor Antritt

Er erzählte mir, dass es bei seinem neuen Arbeitgeber zu einer Kündigung vor Arbeitsantritt gekommen war und was er machen solle. “Ist die Stelle bei dem Unternehmen noch zu besetzen?” fragte er mich. “Das kann durchaus sein,”, antwortete ich, “Allerdings muss ich da erst mit etwas Fingerspitzengefühl nachfragen.”

Die neue Situation

‘Es gibt doch nichts Schöneres als zwei, die wollen.’ dachte ich mir. Obwohl der eine zum anderen schon einmal “Nein” gesagt hatte. ‘Na gut, es ist ja nicht wie bei der Partnervermittlung.’ könnte man jetzt denken. Aus Erfahrung weiß ich aber, dass es in beiden “Anbahnungen” sehr viele Parallelen gibt. Sowohl Arbeitgeber bzw. deren Vertreter, als auch Bewerber zeigen sich bei einer Ablehnung oft gekränkt oder in der Ehre verletzt.

Auf der anderen Seite hatte ich das Unternehmen, das gerne die Stelle besetzen wollte und befürchtete, dass sich die Besetzung der Stelle in die Länge ziehen würde.

Die Nachfrage

Als ich meinem Kunden die neue Situation erklärt hatte, war es erst mal ruhig am Telefon, Ich konnte Gedanken knacken hören.

Im weiteren Gespräch konnte ich ein Treffen zwischen beiden arrangieren, in der Hoffnung, dass sich “die gute Chemie” zwischen beiden wieder einstellen würde. Zu guter Letzt wurden sich beide vertragseinig. Und wenn sie nicht….(das wird die Zeit zeigen).

Ängste überwinden

Zeigen Sie, dass Sie sich nicht von Ihren Ängsten einschüchtern lassen, das Sie Fehler zugeben können und Mut genug haben, beides einzugestehen.

Es gibt weitere Fälle, in denen aus einem vermeintlichen zweiten Platz doch noch die Goldmedaille wurde, weil eine Seite nachgefragt hat, trotz vorheriger Ablehnung.

Wenn Sie Fragen zu Beruf, Karriere und Bewerbung haben, schreiben Sie mir.

Christof Wirtz
Personalberater aus Leidenschaft

//karriere-abc.com

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By |2019-03-08T09:28:06+01:00März 8th, 2019|Bewerbungsgespräch|
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