Should I stay or should I go?

(Songtitel von The Clash 1982)

Bevor Sie wechseln, nach einem neuen Job suchen, diesen finden und dann kündigen, sollten Sie sich ernsthaft fragen, ob das der richtige Weg ist oder ob es besser ist, zu bleiben und an den Herausforderungen, die Sie im Moment haben, zu wachsen.

Es gibt klare Indizien, die für einen baldigen Wechsel sprechen. Das können sein: drohende Insolvenz des Arbeitgebers, ausbleibende Gehaltszahlungen, bevorstehende Schließung oder Standortverlagerung oder auch langfristige Differenzen mit Vorgesetzten.

Alles andere ist eventuell nur eine Hürde, die es zu meistern gilt, um weiter zu kommen.

Mir ist besonders in den letzten fünf Jahren aufgefallen, dass Mitarbeiter sowie Führungskräfte wechseln, weil irgendetwas, das zugesagt wurde, nicht eingehalten worden ist bzw. weil im beruflichen Umfeld erste Schwierigkeiten aufgetreten sind. In den Jahren zuvor war es größtenteils noch anders. Trotz (fachlicher) Differenzen haben insbesondere die Mitarbeiter versucht beim Arbeitgeber zu bleiben. Oft lag das ander Situation auf dem Arbeitsmarkt mit deutlich höheren Arbeitslosenzahlen. Liegt das heute an einer anderen Generation oder doch eher an der momentanen gute Situation auf dem Arbeitsmarkt aus Sicht des Arbeitnehmers (Fachkräftemangel), bei der sich jeder nahezu aussuchen kann, wo und bei wem er arbeiten möchte?

Früher war alles besser

Nein, früher war nicht alles besser. Insbesondere nicht für diejenigen, die aus einer gekündigten Position auf der Suche nach einer neuen Anstellung waren. Sowohl die Zeit 2001 bis 2003, 2005 und 2008 bis 2010 waren Jahre, in denen viele Mitarbeiter entlassen wurden und wenige neue eingestellt wurden. Es war ein sogenannter Arbeitgebermarkt. Die Arbeitgeber konnten sich die besten neuen Mitarbeiter aussuchen. Heute haben wir seit ca. vier Jahren einen Arbeitnehmermarkt. Es wird gerade für KMU (kleine und mittlere Unternehmen) und den Mittelstand schwieriger, geeignete Fachkräfte zu finden. Hinzu kommt ein starker Rückgang bei der Umzugsbereitschaft und der Reisebereitschaft der Bewerber. Viele suchen nur noch im Radius 30 km um den eigenen „Kirchturm“.

Nach der Krise ist vor der Krise

Solange die Hochkonjunkturphase anhält, mag die eine oder der andere denken, ist das ja auch ein probates Mittel. Nur wird zwangsläufig irgendwann die nächste (Branchen) Krise kommen.

Daraus resultiert zwangsläufig, dass sich die Bewerber mit der jetzigen und zukünftigen Situation der von ihnen gewählten Branche und Region sowie den einzelnen Unternehmen, bei denen sie sich bewerben, auseinander setzen müssen. Wie lange hält der Laden die Stellung? Ist das Unternehmen ein Übernahmekandidat? Wie sieht es im Familienunternehmen mit der Nachfolge aus? Steht eine Standortverlagerung in irgendeinem Bereich an?

Quellen für gute Informationen

Dazu sollten Sie verschiedene Quellen von Unternehmensbewertungen durch Mitarbeiter (z.B. kununu) über regionale und Branchen Nachrichten bis hin zu Wirtschaftsverbänden oder Technologieverbänden (z.B. VDI) zu Rate ziehen, um sich ein breites Bild zu verschaffen.

Zurück zur Ausgangsfrage

Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für mich zu wechseln?

Stellen Sie sich die Fragen, die Sie dem neuen Unternehmen oder der neuen Branche stellen würden doch zu aller erst mal ihrem jetzigen Arbeitgeber. Sind es wirklich strukturelle, globale oder doch eher persönliche Motive, die Sie zum Gedankenspiel des Wechsels bringen?

Woran liegt es, dass Sie wechseln wollen?

Listen Sie die Gründe dafür auf und bewerten Sie diese auf zwei Skalen von 1-5.

Wichtig

Nicht

Weniger

Mittel

Wichtige

Sehr wichtig

Mein Einfluss

kein Einfluss

wichtig kaum/wenig Einfluss

mittel                                   (heißt: Ich bin mir nicht sicher)

(indirekt) Einfluss

Starker Einfluss

Sie können auch 2 und 4 weglassen und mit einer dreistufigen Skala arbeiten. (im Weiteren gehe ich nicht näher darauf ein)

Faktor Wichtig Einfluss
A 4,5 4,5
B 4,5 2
C 0,5 4
D 3 1
E 1 1
F 3 4

Alles, was für Sie wichtig ist, und Sie beeinflussen können, können. Sie ändern. (A und F)

Alles für Sie wichtig ist, und durch andere gesteuert wird, sind Punkte, an denen Sie mit Ihrem Umfeld arbeiten müssen. (B und D)

Alles, was nicht so wichtig ist und Sie beeinflussen können, sollten Sie irgendwann ändern. (C)

Der Rest ist zu vernachlässigen.

Entscheidungsmatrix

Entscheidungsmatrix

Zugegeben eine recht technisch anmutende Herangehensweise, die jedoch Anlehnung an eine S.W.O.T. Matrix hat, die einige von Ihnen schon kennen, (Wenn nicht, umgehend nachschlagen!).

Was ich Ihnen damit sagen möchte, versuchen Sie nicht, die Fehler/Probleme nur bei Ihrem Umfeld zu suchen. Stellen Sie sich dir Frage, was kann ich ändern, damit es besser läuft und mit wem muss ich sprechen, um das klarer rüber zu bringen.

Wer ständig nur anderen die Schuld an der eigenen Situation gibt, bringt sich zu schnell in eine Opferrolle. Die ist zwar bequem (ich kann ja nichts dafür), nur führt sie über kurz oder lang zu Schlechtleistung am Arbeitsplatz, interner Kündigung oder Kündigung durch Ihren Arbeitgeber.

Werden Sie Täter!

Seien Sie in Ihren Entscheidungen im Beruf aktiv und überlassen nicht anderen das Feld, insbesondere hinsichtlich Ihrer Position und ihres direkten Umfelds. Lassen Sie sich nicht in eine Opferrolle drängen.

Überlegen Sie sich Ihre Entscheidungen gut, gerne nach obigem Schema. Wenn Sie das Problem nicht lösen können, werden Sie (gedanklich) größer als das Problem. Oft denkt man, dass Problem lässt sich nicht lösen, da es außerhalb des eigenen Wirkbereichs liegt. Wachsen Sie über sich hinaus, formen Sie (informelle) Netzwerke und gehen Sie Ihren Herausforderungen nach.

Ist Ihr Vorgesetzter z.B. Ihr konkretes Problem, dann werden Sie besser als er, machen auf sich aufmerksam und werden irgendwann selber auf dieser Position sitzen. Gelingt das nicht, weil Ihr Einfluss zu gering ist oder bietet sich auf Dauer keine Perspektive für Sie an, ist der Wechsel des Arbeitgebers immer noch ein gutes Mittel. Nur haben Sie jetzt zuvor dafür gekämpft, die Situation analysiert und es versucht. Gutes Rüstzeug für eine bessere Position im neuen Unternehmen und nicht nur ein Wechsel auf gleicher Höhe.

Denn dessen können Sie gewiss sein, Ihre Herausforderungen wechseln mit Ihnen. Sie werden ähnliche Situationen immer wieder antreffen. Daher bleiben die beiden Optionen, arbeiten Sie an Ihren Herausforderungen oder akzeptieren Sie sich und Ihre „Probleme“ so wie Sie/sie sind.

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By |2018-08-30T11:26:49+00:00Januar 16th, 2018|Allgemein, Kündigung|