Stellenanzeigen richtig lesen

In den Anschreiben, die ich von Bewerbern erhalte, stelle ich fest, dass Stellenanzeigen oft von einigen Kandidaten nicht richtig gelesen werden.

Es gibt aus meiner Sicht folgende Anhaltspunkte dafür, dass ein Bewerber die Stellenanzeige nicht richtig gelesen hat:

  • Ansprechpartner
  • Kennziffer
  • Anrede
  • Bezug zum Inserat
  • Bezug zwischen Stellenanzeige und eigener Person
  • Fehlende Kenntnisse
  • Kenntnisse, die nicht benötigt werden

Im Weiteren gehe ich auf die einzelnen Punkte näher ein, um an Beispielen zu verdeutlichen, was Sie in Ihrer Bewerbung besser machen können. Alle Beispiele beruhen auf Bewerbungen der letzten Jahre und sind nicht erfunden.

Ansprechpartner

In einigen Anzeigen kann man den Ansprechpartner meist im unteren Drittel der Anzeige finden. Oft ist es auch ein Leichtes, auf der Website des Unternehmens einen Ansprechpartner aus der Personalabteilung zu finden, der für den jeweiligen Bereich, in dem man sich bewirbt, verantwortlich ist. Bei kleineren Unternehmen ist das leichter, weil es weniger, teilweise auch nur einen Personalreferenten gibt. Im Konzern ist es oft nicht möglich, zu identifizieren, wer der beste Adressat sein könnte. Hier hilft dann nur die angegebene Adresse.

Die ideale Anschrift sieht also so aus:

ABC GmbH
z. Hd. Frau Müller (oder Herr Schmitz)
ABC-Straße 111
12345 XYhausen

Kennziffer

Einige Inserate haben eine Kennziffer, die firmenintern zur Verteilung der eingehenden Bewerbungen genutzt wird oder dazu dient, den Bewerber schneller einer bestimmten Stelle zuzuordnen. Vergessen Sie nicht, die Kennziffer noch vor der Anrede als Betreff zu verwenden. Und löschen Sie bitte alle alten Kennziffern, wenn Sie ein altes Anschreiben kopiert haben!

Anrede

Wenn Sie einen Ansprechpartner ermitteln können, nutzen Sie dies bitte auch in der Anrede.

„Sehr geehrte Frau Müller“ oder

„Sehr geehrter Herr Schmitz“
Ohne Ansprechpartner wird „Sehr geehrte Damen und Herren“ genutzt.

Bitte löschen Sie beim Kopieren alter Anschreiben auch den Namen bzw. ändern Sie diesen. Es macht einen sehr schlechten Eindruck, wenn Sie den Brief an „Frau Müller“ adressieren senden und „Herrn Schmitz“ im weiteren als Anrede benutzen.

Bezug zum Inserat

Wo haben Sie die Stellenanzeige gefunden? War es in einer Fachzeitschrift, in eine Stellenbörse oder auf der Website des Unternehmens? Wurden Sie empfohlen oder auf einer Messe angesprochen?

Bitte schreiben Sie in Ihr Anschreiben, wo Sie auf das Unternehmen und die Anzeige aufmerksam geworden sind. Viele Unternehmen nutzen diese Informationen, um ihre Recruiting-Kanäle zu bewerten. Zudem vermitteln Sie den Eindruck, dass Sie sich mit den Anforderungen der Personalabteilung beschäftigen und können erste Pluspunkte sammeln.

Bezug zwischen Stellenanzeige und eigener Person

In der Anzeige sind unter „Ihre Aufgaben“ alle Aufgaben aufgelistet, die Sie in Ihrer zukünftigen Position zu erwarten haben. Die Reihenfolge deutet oft eine Priorisierung an. Teilweise finden Sie dort auch Ihre Berichtslinie zum nächsthöheren Vorgesetzten sowie Ihre Verantwortungsbereiche.

Das Unternehmen wünscht sich Bewerber, die diese Aufgaben erfüllen können. Sie können umso mehr punkten, je näher Sie vermitteln können, dass Sie gleiches (im Idealfall) oder ähnliches schon erfolgreich (!) gemacht haben. Ganz egal ob Führung, Vertrieb oder Fach- sowie Branchenkenntnisse. Gehen Sie darauf ein und nutzen dabei idealerweise die gleichen Wortbegriffe. Je stärker zum Ausdruck kommt, dass Sie zeitnah nach Dienstantritt in der Lage sind loszulegen, um so besser.

Einmal habe ich erlebt, dass ein Kandidat mit der Einleitung „Sie suchen einen Mitarbeiter, der…“ die komplette Anzeige Wort für Wort abgeschrieben hat. Das gilt es zu unterlassen.

Fehlende Kenntnisse

In der Anzeige ist unter „Wir erwarten“ oder „Sie bringen mit“ meist priorisiert die gewünschten Ausbildung, Berufserfahrung und Fach- sowie Sprachkenntnisse aufgelistet. Zum Ende hin kommt bei einigen Anzeigen dann die Reisebereitschaft hinzu.

Abschlüsse

Wird nach einer bestimmten Ausbildung oder einem akademischen Abschluss gefragt, sollten Sie diesen auch mitbringen. Eine Bewerbung als Nicht-Akademiker auf eine Stelle, die eine Promotion fordert, ist so gut wie aussichtslos. Es mag die eine oder andere berühmte Ausnahme geben. In der Regel führt das zu Kopfschütteln in der Personalabteilung. Der Bewerber wird in die Kategorie „kann nicht lesen“ oder „Zeitfresser“ abgestempelt.

Berufserfahrung und Führungserfahrung

Ähnliches gilt bei der Berufserfahrung. Wenn neue Mitarbeiter mit mehr als fünf Jahren Berufserfahrung gesucht werden, ist es aussichtlos, sich dort als Berufseinsteiger zu bewerben.

Ob umgekehrt bei der Suche nach Berufseinsteigern der Erfahrene mit mehr als zehn Jahren im Beruf eine gute Chance hat, wage ich ebenso zu bezweifeln.

Auch bei Führungskräften, die gesucht werden, wird von den Bewerbern eine Erfahrung in vergleichbarer Position verlangt. Gelegentlich sieht man auch Halbsätze „auch aus der zweiten Reihe“ oder „erste Führungserfahrung“. Hier lohnt es sich, auch als Stellvertreter oder als xy-Leiter eine Stufe unter der ausgeschriebenen Position eine Bewerbung zu versenden.

Branchenkenntnisse

Wird jemand aus der Textilbranche gesucht, haben die Agrar- und alle anderen Branchen wenig Aussicht auf Erfolg. Liegt Ihre Branche sehr nahe an der gesuchten, kann es eine Überlegung wert sein, den Hut in den Ring zu werfen.

Es gibt nur den Stolperstein für Sie, dass Sie im Erfolgsfall Ihre „alte“ Branche verlassen und bei einer späteren Rückkehr eine höhere Hürde zu nehmen haben. (Warum geht der erst raus und will jetzt wieder zurück?)

Fachkenntnisse

Hier wird es etwas kniffliger. Prinzipiell gilt, je näher Sie dem Gesuchten entsprechen, desto besser ist es für Ihre Bewerbung. Wird zum Beispiel ein CAD-Konstrukteur gesucht, spielen die jeweiligen CAD-Programme eine eher untergeordnete Rolle. Wird jedoch ein 3D-Konstrukteur gesucht, scheiden diejenigen aus, die bislang nur 2D konstruiert haben. Gleiches gilt, wenn das CAD Programm genau benannt wird. Kommen jedoch die Begriffe „idealerweise“ oder „vergleichbare“ zum Einsatz, können Sie es versuchen, auch wenn Ihre Erfahrungen in einem anderen Fachgebiet bzw. einer anderen Anwendungssoftware liegen.

Sprachkenntnisse

Generell gilt, dass mit „Muttersprache“ die Begriffe hören, lesen, verstehen und sprechen gleichwertig gemeint sind und sich nicht nur auf „…sprache“ beziehen.

Jeder Mensch hat eine Muttersprache. Diese ist nicht unbedingt gleich der Nationalität, wie ich vor einiger Zeit bei einem Mitarbeiter während der Reise ins benachbarte Ausland verblüfft feststellen durfte. Er sprach als Niederländer kein Wort Holländisch an der Rezeption im Hotel nahe Amsterdam.

Die Muttersprache ist die Sprache, mit der Sie aufgewachsen sind und die Sie seitdem zu beherrschen gelernt haben. Auch hier gibt es weitere Ausnahmen, z. B. beim Umzug ins Ausland bzw. aus dem Ausland nach Deutschland. Geschieht das in jungen Jahren, sprechen diese Menschen zum Teil die neue Sprache besser als die ursprüngliche.

Auch gibt es einige Bewerber, die zweisprachig oder sogar mehrsprachig aufgewachsen sind und diese Sprachen muttersprachlich anwenden können.

Die meisten haben jedoch neben der Muttersprache eine zweite oder dritte (teilweise auch mehr) Sprachen in der Schule oder in der Freizeit gelernt.

Wie gut bin ich in der jeweiligen Sprache und wie finde ich eine Skala, die für alle einen Bewertungsraum anbietet? Es setzt sich meiner Meinung nach der „Gemeinsame Europäischen Referenzrahmen für Sprachen“, kurz GER, durch.

Früher unterschied man bei den Sprachkenntnissen Grundkenntnisse, erweiterte Kenntnisse, fließend oder verhandlungssicher. Dies ergab einen sehr großen Spielraum bei der Beurteilung eigener Kenntnisse hat und war entsprechend fehleranfällig.

Wenn Sie nach „Gemeinsame Europäischer Referenzrahmen für Sprachen“ im Internet suchen, finden Sie zahlreiche Informationsquellen.

Die Kategorien:

  • A1 – Anfänger
  • A2 – Grundlegende Kenntnisse
  • B1 – Fortgeschrittene Sprachverwendung
  • B2 – Selbständige Sprachverwendung
  • C1 – Fachkundige Sprachkenntnisse
  • C2 – Annähernd muttersprachliche Kenntnisse

Versuchen Sie Ihre Kenntnisse in den Bereichen:

  • Hören
  • Lesen
  • Sprechen
  • Schreiben

mit den angegebenen Kategorien so gut wie möglich zu bewerten. Liegen die Bereiche alle ähnlich, geben Sie z. B. an: Englisch Niveau B2. Liegen Sie zwischen zwei Kategorien, können Sie auch z. B. Französisch B1/B2 angeben oder Sie teilen das Ganze auf z. B. Spanisch hören/lesen B2 sprechen/schreiben B1.

Wichtig ist hier, dass Sie sich ab einem geforderten Niveau >B2 auf einen Sprachtest im Bewerbungsgespräch einstellen sollten. Oft wird verlangt, dass Sie sich auf Englisch kurz beschreiben oder ganze Abschnitte des Gesprächs finden in der geforderten Sprache statt.

Kenntnisse, die nicht benötigt werden

Es ist gut für Sie, wenn Sie Kenntnisse mitbringen, die nicht in der Stellenanzeige gesucht werden. Es ist besser für Ihre Bewerbung, wenn Sie diese nicht oder nur in ganz seltenen Ausnahmen im Anschreiben formulieren. Wenn es irgendeinen Bezug zum gesuchten Profil gibt, können (nicht müssen!!) Sie diese Fähigkeiten am Ende, nachdem Sie über die gesuchten Fähigkeiten geschrieben haben, in einem kurzen Satz etwas berichten. Doch Vorsicht: wenn ein rotes Auto mit Schiebedach gesucht wird, ist es nicht unbedingt hilfreich, dass dieser auch einen Spoiler hat. Ist das Auto nicht rot oder hat kein Schiebedach, ist der Spoiler vollkommen unwichtig.

Das gleiche gilt für Fachkenntnisse.

Das ideale Anschreiben

ABC GmbH
z.Hd. Frau Müller
ABC-Straße 111

15. Februar 2018

Kennziffer 2018-ROE-0815

Bewerbung als Vertriebsingenieur im Bereich Sondermaschinenbau (EMEA)

Sehr geehrte Frau Schmitz,

wie ich dem Inserat auf Ihrer Website www.abc.jetzt entnehmen konnte, suchen Sie einen Vertriebsingenieur im Sondermaschinenbau für die Regionen Europa, Mittlerer Osten und Afrika.

……

Es folgen die Details zu Aufgaben und Kenntnissen in Bezug auf Ihre Position.

Ich freue mich über eine Einladung zu einem persönlichen Vorstellungstermin in Ihrem Haus.

Mit freundlichen Grüßen

(Unterschrift)

Vorname Zuname

Für die Formulierung kann Ihnen auch der Artikel von Johanna Dahm „Die 3 + 1 Regel im Anschreiben“ weiterhelfen.

Wenn Sie Fragen zu Ihrem Anschreiben haben, können Sie mich gerne unter christof.wirtz@abc.jetzt kontaktieren. Weitere wertvolle Hinweise zu Beruf, Karriere und Bewerbung finden sie auf karriere-abc.com

Hier finden Sie nähere Informationen zu unseren Angeboten für  Bewerbungsberatung und Karriereberatung.

By |2018-08-30T11:04:49+00:00Februar 15th, 2018|Anschreiben|