Veränderungswünsche

Veränderungswünsche

Ein 40 jähriger Teamleiter aus der xy-Branche schrieb mir, dass er „Veränderungswünsche“ habe. Er war vor kurzer Zeit von A-Stadt nach B-Stadt in den Süden gezogen und fühlte sich nach knapp einem Jahr dort sichtbar nicht wohl, zumal seine Familie weiterhin in A-Stadt wohnte und nicht nachziehen würde. Er ist jetzt aktiv auf der Suche und möchte zudem eine Führungsposition und mehr Gehalt haben.

Zusammengefasst:

  • B-Stadt -> A-Stadt (zurück in die Heimat)
  • Gehaltssteigerung
  • Führungsposition ausbauen
  • Eventuell Branchenwechsel, da seine jetzige Stelle sehr speziell ist.

Bei einer passenden Stelle dürfe ich ihn kontaktieren.

Alles gleichzeitig?

Bevor ich ihm vollständig antworten konnte, fragte ich ihn, was die Gründe für seinen letzten Wechsel waren. Die Branche sei in Deutschland nahezu ohne Perspektive, viele Firmen sind abgewandert, antwortete er mir. „Ich habe mir nicht so viele Gedanken über den Umzug nach B-Stadt gemacht, ich war ja früher auch viel unterwegs.“, schob er direkt nach.

Verkettung von Fehlern

Der Ursprung des jetzigen Problems „zurück nach A-Stadt“ liegt aus meiner Sicht in der Veränderung der ursprünglichen Branche, die nicht schlagartig eintrat sondern als Prozess über mehrere Jahre sichtbar war. Hier wäre es sinnvoll gewesen, deutlich früher die „Reißleine“ zu ziehen und eine neue Branche in A-Stadt zu suchen.

Bevor ich wechsele, sollte ich auch mit meiner Familie über die Folgen eines Umzugs mit Wochenendependeln ausführlich sprechen. Es sind nicht die Sonnenseiten der Medaille, die überzeugen sollen. Es gilt die Schattenseite ausführlich zu klären. Einer fehlt im familiären Alltag (Schule, Freizeit, Gesundheit) komplett bzw. ist nur an den Wochenenden daheim. Während Partner A denkt, schön wieder zuhause zu sein, wünscht sich Partner B, dass A sich jetzt stärker um Familie, Haus und Kinder kümmern sollte.

Bei der Heimkehr in die Stadt, in der die Ursprungsbranche auf dem Rückzug ist, ist es schon schwierig genug, einen adäquaten Job in eben jener Branche zu finden. Es ist in meinen Augen auch nicht sinnvoll, das sterbende Pferd nochmal zu besteigen.

Wenn zurück, dann auch mit Wechsel in eine andere Branche.

Mit der Rückkehr einen möglichen Aufstieg und ein höheres Gehalt zu verknüpfen, ist ein zentraler Denkfehler. Die hinzukommende Führungsverantwortung wird einen Branchenwechsel deutlich erschweren. Das höhere Gehalt ist erstrebenswert, jedoch liegt der Fokus auf der Rückkehr und nicht auf dem höheren Gehalt.

Blick in die Zukunft

Meine Empfehlung ist, dass sich der Kandidat auf einen der Punkte fokussieren muss.

„Ich möchte zurück nach A-Stadt. und nehme in Kauf, dass ich in einer anderen Branche für das gleiche Gehalt eine ähnliche Position finde, wie die, die ich jetzt habe“ ist da schon die maximal Forderung.

Je nachdem, wie sehr der „Zurück nach A-Stadt“ Schuh drückt, ist auch die ähnliche Position mit weniger Gehalt oder eine geringere Position mit etwas weniger Gehalt denkbar.

Im zweiten Schritt kommt dann der Aufbau in die Führungsposition. Idealerweise im gleichen Unternehmen, in das er reinwechseln wird. Ansonsten bitte mindestens vier, besser fünf Jahre in der neuen Branche Fuß fassen, bevor ein weiterer Unternehmenswechsel mit neuer Führungsposition ansteht.

Warum so lange warten?

Aus Sicht der jetzigen Vollbeschäftigungszeit sind Wechsel jederzeit machbar, auch mit Sprüngen im Lebenslauf. In späteren, eventuell wieder unsicheren Zeiten, werden die Bewerber stärker ausgesiebt und daher landen die Job-Hopper und Branchen-Wechsler schnell auf dem „B-Stapel“ in der Personalabteilung.

In unserem Fall hat der Kandidat mit seinem letzten Wechsel schon einen „Short-Stop“. Kommt noch einer hinzu, wird der Lebenslauf arg holprig.

Ich freue mich auch weiterhin auf Ihre individuellen Fragen, die ich gerne beantworte und die Antwort gelegentlich anonymisiert veröffentliche. www.karriere-abc.com

By | 2018-04-06T16:38:16+00:00 April 6th, 2018|Allgemein, Leserfragen|