Verloren auf der Zielgeraden

Aus einer Stellenbesetzung im letzten Jahr möchte ich Ihnen heute berichten, um aufzuzeigen, wie wichtig es ist, bis zur letzten Minute konzentriert bei der Sache zu sein und nicht zu früh „mit dem Kopf in der Kabine“, also zu siegessicher, zu sein.

Die Ausgangslage

Es wurde ein Technischer Leiter in einem mittelständischen inhabergeführten Unternehmen gesucht. Von den knapp 20 Bewerbern wählten wir nach Gesprächen fünf aus, die dem Kunden präsentiert wurden. Vier davon wurden zum Erstgespräch eingeladen, zwei zum Zweitgespräch. Bei allen Gesprächen war ich anwesend.

Nach Abstimmung mit dem Kunden wurde der Wunschkandidat zum finalen Vertragsgespräch eingeladen. Es sollten letzte Details geklärt werden. Anschließend hatte der Kandidat Zeit, den Vertrag in Ruhe zu Hause zu prüfen.

Brenzlige Antwort auf bedeutungslose Frage

Bei der Frage nach dem Starttermin bat der Kandidat darum diesen vom 1. auf den 15. zu verlegen. Als er gefragt wurde, ob er da Urlaub habe, sagte er, dass er nach seiner Kündigung Elternzeit bei seinem jetzigen Arbeitgeber beantragen wolle.

Als ich das von meinem Kunden im Telefonat erfuhr, musste ich schlucken. Möglicherweise ist in sehr großen Unternehmen so etwas ohne Spätfolgen machbar. In einem Unternehmen, in dem der Inhaber der Entscheider ist, gleicht eine solche Antwort einem „Vaterlandsverrat“.

Hintergrund

Im Arbeitsvertrag vereinbaren beide Seiten eine Kündigungsfrist. Diese soll beiden Seiten einen gewissen Schutz vor der Kündigung geben und dafür sorgen, dass der Arbeitnehmer bezahlte Zeit hat, sich einen neuen Job zu suchen, wenn er gekündigt worden ist. Der Arbeitgeber möchte sicherstellen, dass er, bis er einen neuen Mitarbeiter gefunden hat, seine Projekte am Laufen hält und möglicherweise auch noch eine Übergabezeit hat. Zugegeben, in der heutigen Situation mit Fachkräftemangel bietet selbst eine Kündigungszeit von drei Monaten zum Quartalsende den Unternehmen nicht die nötige Zeit.

Natürlich versetzt sich der neue Arbeitgeber sofort in die Lage des alten Arbeitgebers und kann nachvollziehen, dass dieser sich um die Kündigungsfrist „betrogen“ fühlt, wenn der Mitarbeiter mit der Kündigung auch Elternzeit einreicht.

Ende vom Lied

Der Vertrag kam nicht zustande, weil der neue Arbeitgeber befürchtete, er würde in ein paar Jahren ähnlich dastehen wie der alte Arbeitgeber jetzt.

Welchen Rat kann ich dem Arbeitnehmer geben?

Das Thema muss anders verpackt und anders angesprochen werden. Es wäre besser gewesen, wenn der Kandidat vorher mit mir als Personalberater über sein Vorhaben gesprochen hätte. Ich würde mit ihm eine Strategie besprechen und mögliche Konsequenzen aufzeigen, ohne dass der neue Arbeitgeber davon erfährt.

Keine Sorge, liebe Leserinnen und Leser der Arbeitgeberseite, ich hätte ihm von seinem Vorhaben abgeraten.

Für alle Leserinnen und Leser der Arbeitnehmerseite, die sich wünschen, ich würde dem Kandidaten empfehlen, es beim 15. zu belassen und sich eine Ausrede einfallen zu lassen, möchte ich mitgeben, dass Lügen kurze Beine haben.

Einen Fehler durch eine Lüge zu verdecken, heißt, einen Fleck durch ein Loch zu ersetzen.“ (Aristoteles)

Allerdings besteht die Möglichkeit, dass der Personalberater vorher mit dem neuen Unternehmen spricht, die Gesamtlage (junge Familie, wenig Zeit usw.) darstellt. In den meisten Fällen wird so etwas auf Verständnis stoßen und nicht zum Abbruch der sich anbahnenden Beziehung.

Vermeiden Sie Überraschungen

In den Vertragsverhandlungen sollten Sie sorgfältig darauf achten, ähnliche Überraschungen zu vermeiden. Auch ein „Nachkarten“ in Bezug auf Gehalt oder Vergünstigungen kommt nicht gut an. In einem anderen Fall führte die Diskussion über das PKW Modell und die Ausstattung (Radio mit USB Anschluss) zum Abbruch der Vertragsverhandlungen.

Auch dem Arbeitgeber sei gesagt, dass für ihn gleiches gilt. Nachträgliche Änderungen bei Gehalt und Vergünstigung, Verlängerung der Probezeit aus wirtschaftlichen Gründen und Nichteinhaltung von Zusagen führen oft zu Frustration und Kündigung auf der Arbeitnehmerseite.

Einhaltung von Zusagen

Halten Sie die mündlich getroffenen Zusagen kurz schriftlich fest und tauschen Sie sich aus im gegenseitigen Einvernehmen, dass beide Parteien einander über mögliche Bedingungen, die das Eintreten der Zusagen voraussetzen verstanden haben.

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By |2018-10-24T14:06:23+00:00April 13th, 2018|Bewerbungsgespräch, Vertrag|
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