Bewerbung, Arbeitszeugnis, Beruf Karriere, Bewerber-ABC, Lebenslauf CV, Curriculum Vitae

Wechsel nach kurzer Zeit als Absolvent

Leserfrage

Ein angehender Maschinenbauingenieur (26) fragt: „Seit einiger Zeit verfolge ich Ihren Karriereblog und habe jetzt selbst eine Frage. Ich bin gerade dabei, mein Studium abzuschließen Ich muss noch meine Masterarbeit verteidigen. Zurzeit habe ich einen Job als Konstruktionsingenieur angenommen. Jetzt ist die Arbeitsweise anders als ich es mir vorgestellt habe und anders als es im Vorstellungsgespräch kommuniziert wurde. Jetzt überlege ich, mich weiter zu bewerben. Soll ich die Stelle im Lebenslauf angeben und im Bewerbungsschreiben kommunizieren warum ich etwas Neues suche oder soll ich die Stelle eher nicht erwähnen?(1) In zwei Jahren will ich wechseln, da meine Freundin dann ihr Studium abschließt und wir umziehen wollen.(2) Oder soll ich die zwei Jahre „durchzuziehen“?(3)

 

Viele Fragen, die sich gegenseitig beeinflussen. Die Herausforderung liegt in der Voraussage der Zukunft.

Die „Berufserfahrungsuhr“

Zu (1) Die „Berufserfahrungsuhr“ fängt in der Regel mit Abschluss des Studiums und der Aufnahme der ersten Tätigkeit als Ingenieur an zu ticken. Bis dahin können Sie Ihren ersten Job getrost in der Probezeit kündigen und etwas Neues anfangen. Meine Empfehlung lautet an dieser Stelle, dass Sie den ersten Job nicht in Ihrem Lebenslauf erwähnen und auch nicht im Vorstellungsgespräch darauf eingehen. Sie können allerdings erwähnen, dass Sie zwischen Abgabe der Masterarbeit und Dienstantritt der neuen Stelle in einem befristeten Übergangsjob beschäftigt waren, um Geld zu verdienen oder erste Erfahrung zu sammeln. Die Sache mit den Informationen über die zu erwartende Arbeitsweise und die tatsächlich angetroffene speichern Sie bitte unter Praxis-Erfahrungen.

Beziehung vs. Karriere

Zu (2) Ob Ihre Freundin in zwei Jahren oder früher bzw. später fertig sein wird, ist aus meiner Sicht nicht gesichert. Zu viel kann passieren, als dass ich dies als verlässliche Planungsgröße bezeichnen möchte. Sie könnten sich trennen, sie kann eine Klausur verhauen oder die Ausarbeitung der Masterarbeit dauert länger als erwartet. Andere Szenarien sind ebenfalls denkbar. Was ist, wenn Ihre Freundin berufsbedingt an einen Ort zieht (z.B. Ausland), an dem Sie keinen passenden Job finden? Es ist sehr schwierig in gleichberechtigten Partnerschaften so früh zu definieren, wer der- bzw. diejenige ist, an dem sich die weitere Familienplanung orientiert. Aus meiner Sicht ist es nicht ratsam, die eigene Karriere unter derjenigen des anderen unterzuordnen. (das gleiche würde ich auch Ihrer Freundin schreiben!). Sie beide müssen für sich die Prioritäten festlegen. Karriere-A, Karriere-B oder Familienplanung und dem entsprechend handeln. Bitte beachten Sie dabei unbedingt die Unvorhersagbarkeit von Partnerschaften.

Durchziehen!

Zu (3) Wenn ich schon weiß, dass in zwei Jahren eh Schluss mit dem jetzigen Arbeitgeber sein wird, warum soll ich dann jetzt wechseln, um dann erneut zu wechseln? Sammeln Sie die Erfahrungen beim jetzigen Arbeitgeber, tauchen Sie ein in Praxis und Berufsalltag und versuchen Sie, sich durchzubeißen. In fast jedem anderen Job kann Ihnen dasselbe Problem begegnen. Nur haben Sie dann schon die Erfahrungen gemacht, wie Sie erstens im Bewerbungsgespräch vorab nachfragen bzw. erste Anzeichen einer Lücke zwischen Versprechen und Praxis sehen können. Und zweitens wissen Sie, was Sie tun müssen, um diese Hürde erneut zu nehmen.

Zum anderen, was wäre wenn bei einem sofortigen Wechsel die neue Situation noch schlechter ist als beim jetzigen Arbeitgeber?

Prioritäten ordnen

Mein Rat an: Bitte ordnen Sie zunächst Ihre Sterne und die Ihrer Partnerin. Danach wägen Sie meine Worte mit Ihrer Situation ab und entscheiden, was für Sie das Richtige ist.

Wenn das schwer fällt, können Sie es mit der gedanklichen Vorwegnahme zukünftiger Situationen versuchen.

  1. Sie wechseln jetzt, in zwei Jahren erneut, wo werden Sie mit Ihrer Freundin in 5 Jahren sein?
  2. Sie bleiben, wo werden Sie mit Ihrer Freundin in fünf Jahren sein?
  3. Ihr Beziehungsstatus ändert sich, wo werden Sie in fünf Jahren sein?
  4. Ihre Freundin wird im nächsten Jahr schwanger, was passiert mit 1. und 2.
  5. Weitere Szenarien sind durchaus denkbar.

Überlegen Sie dazu, welche Auswirkungen die Situation aus dem ersten Teil auf Ihre berufliche und private Zukunft in 10 Jahren haben kann.

Abgleich der Prioritäten mit dem Partner

Am besten machen Sie das für sich zunächst im stillen Kämmerlein, aber bitte schriftlich! Im Anschluss dann mit Ihrer Freundin, die diese Übung auch zunächst für sich alleine gemacht haben sollte, gemeinsam. Vergleichen Sie am Ende die drei vorliegenden schriftlichen Erkenntnisse.

Danach wissen Sie, wie Sie aus der heutigen Perspektive handeln sollten.

Aus der eigenen beruflichen und privaten Lebenserfahrung kann ich Ihnen sagen, dass es meisten anders kommt, wie ich mir das vorgestellt habe, was Sie in meinem Lebenslauf gut nachvollziehen können. Was wichtig ist, dass Sie sich auf Änderungen, Störeinflüsse und Chancen sowie Verlockungen einstellen sollten.

Ich würde mich sehr über Ihr Feedback in fünf, zehn und 20 Jahren freuen.

Weitere Antworten auf Leserfragen sowie ausführliche Tipps zu Beruf, Bewerbung und Karriere finden Sie auf www.karriere-abc.com

Ich wünsche Ihnen ein frohes neues Jahr und einen guten Start!

 

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