Wenn das Satzende noch einmal durchstartet

Ein Gastbeitrag von Anja Kuhn

Über die Wirtschaftsjunioren habe ich Anja Kuhn vor gut elf Jahren kennengelernt. Seit 2007 ist sie selbständig. Über die Organisation im Eventbereich hat sie ein Trainingskonzept für Messe-Teams entwickelt. Aus diesem entwickelte sich im Laufe der Zeit eine Reihen von Workshops und Semiaren zum Thema Kommunikation. Anbei ein Artikel zum Thema “Satzende” aus ihrem Blog.

Viel Spaß beim Lesen.

Wenn das Satzende noch einmal durchstartet

“Die Buchstaben sind wie Ameisen und haben ihren eigenen geheimen Staat.”

Elias Canetti

Am Ende eines Satzes steht ein Punkt. Das lernt jedes Kind schon in der Grundschule. Ein Punkt symbolisiert, dass eine Aussage getroffen wird, die durch den Punkt beendet wird. Deshalb wird er Schlusspunkt, Satzendpunkt oder Satzpunkt genannt.

Wenn wir nun einen Satz laut vorlesen oder laut sprechen, sprechen wir den Punkt nicht aus (es sei denn, wir diktieren etwas). Damit beim Sprechen klar wird, dass der gesprochenen Satz zu Ende ist, senken wir unsere Stimme ab. Sie wird dann automatisch tiefer.

Soweit die Theorie. Viele Menschen tendieren dazu, genau das nicht zu tun. Sie machen dann etwas Ähnliches wie ein Pilot, wenn er statt zu landen durchstarten muss: Sie ziehen ihre Stimme am Ende eines Satzes nach oben. Der Satz hat dann kein klingendes Ende sondern wird eher wie eine Frage formuliert.

Wenn ich mit einem Satz in dieser Klangart konfrontiert werde, irritiert mich das. Ich weiß dann nicht, wie es weiter geht und verliere meinen Zuhörer-Faden. Mein Ohr erwartet einen Satz und erhält so etwas wie eine Frage. Ich frage mich dann: „Und jetzt? Was kommt nun? Was fange ich mit dieser hochgezogenen Formulierung an?“ Ich reagiere ratlos und hinterfrage die Absicht des Sprechers. Traut er sich nicht, einen Satz als Aussage zu formulieren? Hat er Angst, sich damit fest zu legen? Oder ist er sich selber nicht sicher, ob er eine Aussage und damit eine konkrete Formulierung trifft, die er so stehen lassen kann oder muss?

Wahrscheinlich ist es wie so oft: Dem Sprechenden ist gar nicht bewusst, dass er am Ende eines Aussagesatzes ein Fragezeichen platziert, das da gar nicht hingehört. Und noch weniger ist ihm wahrscheinlich klar, dass er damit seine eigene Kompetenz und Aussagekraft untergräbt.

Vielleicht liegt das daran, dass wir uns selbst viel zu selten zuhören oder etwas laut vorsprechen. Und wenn uns kein wohlmeinender Zuhörer darauf aufmerksam macht, schleift sich dieses durchstarten ein und wird zur Gewohnheit.

Mehr zum Thema Kommunkation von Anja Kuhn finden Sie hier: https://anjakuhn.com

Im Karriere-A!B!C erscheinen gelegentlich Gastbeiträge von Personen, die ich aus meinem Netzwerk kenne.

By |2018-11-07T15:33:58+00:00November 9th, 2018|Gastbeitrag|
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