Wir danken für die gute Leistung und wünschen alles Gute

Wir danken für die gute Leistung und wünschen alles Gute

Der Schlusssatz im Arbeitszeugnis

Immer wieder werde ich in meiner Karriereberatung gefragt, was bei der Schlussformel, dem letzten Satz im Arbeitszeugnis, denn wichtig ist bzw. welche Formulierung was bedeutet.

Aus meiner Sicht gibt es vier wichtige Punkte im letzten Satz zu beachten:

  • Dank
  • Bewertung
  • Bedauern
  • Gute Wünsche

„..danken für die gute Leistung…“

Die Reihenfolge, ob der Dank oder das Bedauern zuerst kommt, spielt keine Rolle. Wichtig ist jedoch, dass sich das Unternehmen abschließend für die geleistete Arbeit bedankt. Fehlt dieser Dank, kann das ein Indiz dafür sein, dass Ihr alter Arbeitgeber mit Ihnen unzufrieden war.

„….bedanken uns für die stets sehr gute Leistung…“

Im Gegensatz zu „..bedanken uns für die gute Leistung“ sieht man auf den ersten Blick, dass die „stets sehr gute Leistung“ deutlich besser ist (sehr gut). Indikatoren für eine sehr gute Bewertung sind Worte wie „stets“, „sehr gut“, „hervorragend“ und „jederzeit“. Eine fehlende Bewertung wie z.B. in „…bedanken uns für seine geleistete Arbeit…“ bedeutet, dass der Mitarbeiter durchschnittlich war. Es entspricht als Note einem „befriedigend“. Natürlich ist die Bewertung immer im Zusammenhang mit dem gesamten Zeugnis zu betrachten.

Mein Hauptaugenmerk liegt auf den Absätzen davor, siehe auch Zeugnis „Sein Verhalten ist stets einwandfrei und vorbildlich.“). In der Schlussformel gibt es die Bestätigung des Gesamteindrucks und die Tendenz nach oben oder unten, je nachdem, was geschrieben wird.

„…wir bedauern ihr / sein Ausscheiden sehr…“

In letzter Zeit lese ich des öfteren Zeugnisse, in denen das Bedauern über das Ausscheiden fehlt. Früher galt das fehlende Bedauern als Indikator dafür, dass der Arbeitgeber froh war, dass der Mitarbeiter das Unternehmen verlassen hat. Insbesondere bei Aufhebungsverträgen konnte man das Bedauern finden. Natürlich ist bei einer Kündigung durch den Arbeitgeber klar, dass dieser es nicht auch noch bedauert, schließlich hat er dem Arbeitnehmer gekündigt.

Was anderes ist es bei einer Kündigung durch den Mitarbeiter. Hier wird nochmal durch das Bedauern explizit betont, dass es sich um einen sehr guten Mitarbeiter handelt, der dem Unternehmen fehlen wird. Achten Sie darauf, wenn Sie Ihr Zeugnis erhalten. Im Übrigen fehlt diese Formulierung gänzlich im Zwischenzeugnis.

„…wir wünschen ihr / ihm privat alles Gute und beruflich viel Erfolg…

So und nicht anders sollte es heißen. Meist liest man jedoch nur „wir wünschen ihr / ihm privat und beruflich alles Gute und viel Erfolg“, was durchaus ähnlich wohlmeinend formuliert ist.

Fehlt der Hinweis auf den beruflichen Erfolg in Zukunft, ist wieder Interpretationsspielraum darüber gegeben, was der alte Arbeitgeber seinem Ex-Angestellten mit auf den Weg gibt. War er mit der Stelle überfordert? Sollte er sich lieber eine Etage tiefer bewerben oder war er gar ein Totalversager für die Stelle, die er inne hatte?

Als Zeugnisleser kann ich mir an dieser Stelle nie sicher sein, ob die Weglassung der beruflichen Wünsche Absicht war oder Faulheit des Schreibers oder gar ein Versehen. Es ist für mich ein Punkt, den ich im Bewerbungsgespräch klären würde. „Was hat Ihre damalige Führungskraft über Sie gedacht?“ oder „Was wird mir Ihr ehemaliger Vorgesetzte sagen, wenn ich ihn zu Ihren Leistungen befrage?“ Im Anschluss könnte dann folgen „Und was denken Sie über ihn?“

Die meisten Bewerber ahnen nicht, welche Gefahr hier lauert. Zunächst voller Anspannung „Jetzt ja nichts Falsches sagen, was mein Chef von mir gedacht hat!“ kommen sorgfältig gewogene Worte, die meist nur Gutes verheißen. Und im zweiten Teil anscheinend vollkommen gelöst von der Last der vorherigen Frage plaudern die Kandidaten drauf los. Meist ändern sich auch Stimmhöhe und Sprechgeschwindigkeit. Oft werden im Weiteren die Fehler des Ex-Chefs und sein Fehlverhalten beleuchtet. Der Bewerber ist in der Opferrolle, und alle anderen waren garstig zu ihm, weswegen er ja auch gehen musste.

Zwei Seiten der Medaille

Leider passen die Bilder aus den beiden Fragen nur unvollständig zusammen. Warum sollte ein Chef denn Gutes über einen Mitarbeiter sagen, den er durch sein Verhalten gegängelt hat. Oder liegt da doch etwas beim Bewerber im Argen? An dieser Stelle fangen einige Kandidaten an, sich in Widersprüche zu verstricken. Ich kann förmlich spüren, dass die Gewichtung der beiden Aussagen und ein Teil des Wahrheitsgehalts sich etwas anders zugetragen haben müssen.

Ein Arbeitgeber, der einen neuen Mitarbeiter sucht, egal ob als Führungskraft oder als Fachkraft, wird an dieser Stelle ein großes Frage- oder Minuszeichen in seinen Unterlagen notieren. Oft ist an dieser Stelle auch das Gespräch beendet. Es folgt noch ein wenig Geplänkel und der Satz „Wir werden uns bei Ihnen melden.“ Aber, das war’s!

Fehlervermeidung

Achten Sie bitte im Zeugnis auf die richtige, wohlwollende Formulierung. Fragen Sie bei einem guten Personalberater nach oder nutzen Sie die Möglichkeiten des VDI in der für Mitglieder kostenlosen VDI Karriereberatung.

Ist das Zeugnis schon fertig und Sie können nichts mehr daran ändern, versuchen Sie bitte, die Situation, die im Zeugnis beschrieben wurde, so neutral wie möglich im Hinblick auf Ihr Arbeitszeugnis und am besten aus Sicht des Arbeitgebers zu analysieren. Versuchen Sie, sich selber die Fragen zu beantworten, die man Ihnen im Bewerbungsgespräch stellen könnte.

Auch hier empfiehlt es sich, mit einem Karriere-Coach die Fragestellungen zu erörtern und die Gesprächssituation gut analysiert vorzubereiten.

Und das liest der Personaler alles aus einer Schlussformulierung raus.

Weitere Tipps zu Beruf, Karriere und Bewerbung finden Sie auf karriere-abc.com. Hier können Sie auch Kontakt zu mir aufnehmen und Fragen zu Ihrer Situation und Ihren Unterlagen stellen.

By | 2018-03-01T11:21:41+00:00 Februar 23rd, 2018|Zeugnisse|